argo

Saga der Argonauten

Das Ziel war hoch gesteckt. Wir mußten das Goldene Vlies dem König Aetes entführen. Dieser hatte einen feuerspeienden Drachen zur Bewachung des Vlieses abgestellt. Denn sein Leben war in Gefahr, sollte jemand das Vlies des goldenen Widders rauben – so lautete ein Orakelspruch. Die verzwickte Angelegenheit ausführlicher darzustellen würde uns bis weit in die griechische Mythologie zurückwerfen.

Wir also mußten uns dieses Vlieses bemächtigen. Denn nur mit ihm konnten wir Pelias, König von Iolkos stürzen. Er hatte die Königswürde, die meinem Vater Äson, Pelias‘ Bruder gebührte, an sich gerissen. Um den Tyrannen Pelias vom Thron zu stürzen, war das Goldene Vlies nötig. Uns war von Beginn unserer Unternehmung klar, daß wir das Abenteuer nicht ohne größere Gefahren bestehen würden. Außerdem würden wir während unserer Fahrt große Entbehrungen auf uns nehmen müssen. Doch um überhaupt starten zu können, mußte noch eine Voraussetzung erfüllt werden: Wir brauchten ein Schiff. Bei der Erbauung unseres Fortbewegungsrnittels war uns – den Göttern sei Dank -Athene die Göttin der Weisheit behilflich. Doch ohne einen anderen Helfer wäre es unmöglich gelungen.

433px-jason_pelias_louvre_k127Argos, einer der geschicktesten Baumeister aus ganz Griechenland war es, der Hand anlegte. Er verstand es, aus einer Holzart die im Wasser nicht faulte, ein herrliches Schiff zu bauen. Wenn ich mich recht erinnere, dann konnten wir bis zu 50 Ruderer unterbringen. Nichts lag näher, als das Schiff nach dem Namen seines Erbauers zu benennnen. Fortan hieß es “ARGO“ in aller Munde. Und wir, die Argoschiffer wurden von allen nunmehr Argonauten gerufen. Mir übertrugen die Argonauten einstimmig die Befehlsgewalt über Schiff und Besatzung. Doch war es niemals der Fall, daß ich Entscheidungen fällte, die nicht im Sinne unseres Auftrages waren und die nicht dem Wohl der Mannschaft dienten. Eine starke Persönlichkeit, Erfahrung und Einfühlungsvermögen sind nur ein paar der Tugenden, die derjenige haben muß, der eine Mannschaft wie es die unsere war, zu Erfolg führen will. Natürlich hing das auch vom Einsatz jedes Einzelnen ab. Da war zum Beispiel Tiphys, unser Steuermann. Er hatte das Ruder in der Hand. Er entschied in den einzelnen Situationen, welche Richtung wir einschlugen, wie wir unmittelbare Hindernisse am besten überwinden konnten. Wir hatten tapfere Leute, die in den vorderen Reihen saßen und solche, die Sorge trugen, daß die Hintermannschaft stand. Als wir eine komplette und aufeinander eingespielte Mannschaft zusammen hatten nahm jeder auf dem ihm zugeteilten Sitz Platz und wir bewegten uns im Takt in Richtung offene See. Unsere Gegner konnten kommen, wir waren gewappnet. Unser Unternehmen stand unter einem guten Stern. Ein uns wohlgesonnener Wind trieb un voran. Doch es sollte nicht immer so bleiben. Der Wind drehte und wir mussten uns so manches mal Woge um Woge vorankämpfen. Oft genug geschah es auch, daß wir zurückgeworfen wurden. Nur mit vereinten Kräften konnten wir wieder Boden gutmachen. Vereinzelt mussten wir schwere Niederlagen hinnehmen, so als uns beispielsweise Herakles verließ. Ein Anderer nahm dessen Stelle ein und wir erreichten unse Ziel, den hohen Eichenbaum, an dem das goldene Vlies hing. Wie erwartet begann dort der schwierigste Teil unserer Mission. Wie wir König Aetes und dem Drachen beikamen und ihnen die wertvolle Trophäe raubte und wie wir uns auf den Heimweg machten, wo uns weitere Gefahren und Hindernisse erwarteten, soll eine andere Erzählung sein.

Iason, der Argonaut*

*frei nach der griechischen Mythologie