Regeln

Football_szEigentlich ist alles ganz einfach…

Da läuft dem Betrachter schon vor dem Spiel ein Schauer über den Rücken: laute, und meistens äußerst martialische Musik kündigt das an, was vorher bei der Pre-Game-Power-Party für genügend Vorfreude sorgt: zweimal 50 Spieler betreten oder rennen unter Zuckungen und Imponiergehabe das Spielfeld. Wir sind (mit Sicherheit) beim American Football!
Das Grundprinzip vom American Football ist es, Raumgewinn zu erzielen und diesen mit Punkten abzuschließen.Sieger ist das Team mit den meisten erzielten Punkten. Nach dem Anstoß (Kickoff), schickt die Mannschaft, die im Ballbesitz ist, ihr Angriffsteam (Offense) auf das Spielfeld. Die Offense hat vier Versuche (Downs), um mindestens zehn Meter Raum zu gewinnen. Schafft sie das, bekommt sie einen First Down (vier neue Versuche, usw.). Schafft sie das nicht, weil das gegnerische Verteidigungsteam (Defense) seinen Job gut gemacht hat, muss sie den Ball an den Gegner abgeben, d.h. durch einen Punt weit in die gegnerische Hälfte schießen – die Rollen werden getauscht, und die Mannschaft, die vorher ihre Defense zum unerbittlichen Kampf herausgeschickt hat, bringt ihre Offense aufs Feld.

Punkt für Punkt

Sollte die Offense im Laufe des Spiels die die Ziellinie (Goalline) erreichen, dann ist das ein Touchdown – und dafür wird das Team mit sechs Punkten belohnt. Zusätzlich dazu erhält die Mannschaft eine weitere Chance, noch mehr Punkte einzuheimsen: Entweder versucht sie, den Ball durch die Vertikalstäbe des Tores zu schießen (Extrapunkt), was ihr einen weiteren Punkt bringen würde, oder sie setzt alles daran, den Ball noch einmal in die Endzone zu tragen oder zu werfen. Letzteres würde der Mannschaft zwei weitere Punkte (Conversion) einheimsen.
Wenn ein Team keine Chance mehr sieht, mit ihren zur Verfügung stehenden Versuchen einen Touchdown zu erzielen oder vier weitere Versuche zu erlangen, muss es nicht gleich verzweifelt in das Stadiongras beißen. Es hat nämlich noch Alternativen. So bietet sich in solch einer verzwickten Lage ein Field-Goal-Versuch an: Ein treffsicherer Schuss durch die Vertikalstäbe des Tores (Goalposts), und schon freut sich die versammelte Mannschaft über drei Punkte mehr. Ein letzter Rettungsanker für das gefrustete Team ist dagegen der Punt. Der Punt ist ein Kick aus der Luft, der weit in die gegnerische Feldhälfte führen soll – wenn der Ball schon abgegeben werden muss, dann soll der Gegner wenigstens ziemlich dicht an seiner eigenen Endzone anfangen.

Das Wesentliche

Und so läuft ein Football-Match ab: Die Offense versucht Raumgewinn zu erzielen, und die Defense versucht gerade das zu verhindern. Aber: Wenn der Defense das Abfangen eines gegnerischen Passes (Interception) gelingt, kann sie auch sofort versuchen, mit dem Ball loszurennen, Raum zu gewinnen und einen Touchdown zu erzielen. Und dann gibt es den Safety: Wird der gegnerische Ballträger in seiner eigenen Endzone zu Fall gebracht, gibt es zwei Punkte für die Defense.
Und wie lang geht der Kampf um Raumgewinn, Touchdown und Sieg? In der GFL German Football Leage beträgt die Spielzeit vier Viertel (Quarter) á zwölf Minuten. Doch ein Match dauert länger als 48 Minuten: Die Spielzeit wird nämlich immer dann angehalten, wenn ein Spielzug zu Ende ist – sprich: wenn der Ball tragende Spieler gestoppt wird, wenn ein neues First Down erzielt wurde und die Kette (Chain) neu hingestellt wird, wenn gepunktet oder ungültig geworfen wird, oder wenn der Ballträger aus dem Spielfeld rennt. Die Zeit bis zum nächsten Spielzug nutzen beide Mannschaften, um ihre Strategie abzusprechen (Huddle). Ein Spiel kann sich also bis zu zwei einhalb oder drei Stunden hinziehen!!

Alles, was verboten ist

Und während dieser Spielzeit beschleicht den unerfahrenen Zuschauer ein eigenartiges Gefühl: Ist beim American Football wirklich alles erlaubt? Dürfen sich die Spieler boxen, treten und kratzen? Dürfen sich die Footballer gegenseitig so verletzen, dass sie danach wochenlang im Krankenhaus liegen? Natürlich nicht, denn es gibt sehr viele Foulregeln. Also: Was ist verboten?
Gegner dürfen nicht geschlagen und getreten werden. Das schützende Helmgitter (Facemask) ist ebenfalls tabu: Dort darf niemand hineingreifen. Auch sollte den Konkurrenten kein Bein gestellt werden – das ist nicht nur unsportlich und tut fürchterlich weh, sondern wird auch gleichzeitig als Foul angesehen. Gegner dürfen nie in den Rücken blocken. Und auch das Behindern beim Fangen eines Passes (Pass Interference) sieht der Schiedsrichter gar nicht gern. Wenn die Spieler den gegnerischen Quarterback oder den Kicker angreifen, obwohl diese den Ball bereits abgegeben haben, wird das ebenfalls als Foul deklariert.

Strafe muss sein

Für all diese Vergehen wird nicht der einzelne Spieler bestraft, sondern gleich das gesamte Team, damit alle etwas davon haben. Ist ja schließlich ein Teamsport! Denn das Team muss bei unerlaubten Attacken einen Raumverlust von bis zu 15 Metern hinnehmen. Strafen mehrerer Fouls werden einfach addiert.
Neben den gewalttätigen Fouls gibt es auch technische Missgeschicke, die geahndet werden. Ein False Start liegt vor, wenn sich ein Offense-Spieler zu früh bewegt. Und zuckt auf der Defense-Seite ein Spieler zu früh, ist das ein Offside. Wenn die Offense herumtrödelt und den Ball nicht schnell genug ins Spiel bringt, dann ist das ein Delay of Game – eine unberechtigte Spielverzögerung (Immerhin 25 Sekunden stehen der Offense für ihren so genannten Huddle zu Verfügung). In der Regel werden solche technische Aussetzer mit fünf Metern Raumverlust bestraft.

helm_szDer wichtigste Mann ist der Quarterback

Nun kann es endlich losgehen, die wichtigsten Regeln sind geklärt … aber welcher Spieler macht jetzt eigentlich was? Im Folgenden die Spieler, die in der Offense sehr wichtig sind:
Der Quarterback hat die Aufgabe, Bälle mittels Pass oder Übergabe (Handoff) an die Ballträger zu verteilen. Doch er kann auch selbst laufen, er hat also die Option zur Not oder geplant selbst Raumgewinn zu erzielen.
Ein Ballempfänger (Receiver) muss fangsicher und schnell sein. Er steht an den Außenseiten der Linien und nimmt die Pässe des Quarterbacks entgegen.
Die Hauptaufgabe eines Ballträger (Runningback) ist es, das Leder bei Laufspielzügen möglichst weit durch die gegnerische Defense zu tragen. Nichtsdestotrotz darf ein Runningback aber auch Pässe fangen.
Der einzige Spieler, der bei jedem Spielzug Ballkontakt hat, ist der Center. Er gibt den Ball durch die Beine nach hinten (Snap) zum Quarterback, wenn dieser das Kommando zum Start gibt.
Center, Guards und Tackles machen den Weg frei – sie blocken eine Schneise in die gegnerische Defense.
Und wie sieht es mit der Defense aus? Da sind zum einen die Tackles und die Ends. Diese sollen die Runningbacks aufhalten und damit Läufe so früh wie möglich stoppen. Eine weitere Aufgabe ist es, bei Passspielzügen den Quarterback zu attackieren und ihn so beim Passen zu behindern.
Die Linebacker sind die Taktiker: Sie sollen hauptsächlich erkennen, welchen vertrackten Spielzug der Gegner gerade vorhat, und diesen möglichst schnell verhindern. Der Middle-Linebacker gilt als der Quarterback der Defense
Die Receiver werden durch die Cornerbacks gedeckt. Sie versuchen nicht nur den Empfang des Passes zu verhindern, sondern wollen möglichst den geworfenen Ball abfangen und in die gegnerische Hälfte zurücktragen. Der Mann der letzten Sekunde ist der Safety. Wenn es hart auf hart kommt, soll er jeden Ballträger stoppen, der bis zu ihm in die hinteren Reihen der Defense durchgedrungen ist.
Doch nun der Kick-Off – das Spiel beginnt. Und immer daran denken: Der Ball muss nicht rund sein, und ein Spiel dauert auch nicht 90 Minuten.
Ach ja: alle Begriffe sind aus dem Amerikanischen übernommen, die spielen diese Sportart seit 1872 und wie klingt das auf Deutsch: Viertelrück (Quartierback)

Über die Bundes Spiel Ordnung könnt Ihr euch genau informieren.